Nur eine Reno – Rechtsanwaltsfachangestellte Gedicht – Wertschätzung | Herr Anwalt

Avatar Tim Hendrik | 20/11/2018 861 Views

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Nur eine Reno - Rechtsanwaltsfachangestellte Gedicht - Wertschätzung | Herr Anwalt

Titel: Nur eine Reno.

Morgens weit vor 8,
bevor der Anwalt erwacht.
Da ist sie schon da.
der heimliche Star.
Sie ganz allein,
bringt Ordnung hinein.
Sieht schon den Brief,
als der Chef noch schlief.
Stets motiviert,
die Akten sortiert,
die Daten notiert,
Verfahren terminiert.

Es wird neun,
keine zeit zu träum.
Der Chef kommt,
die begrüßung prompt:
Guten Morgen Herr Walter,
man sieht nicht ihr Alter.
Sie blickt ihn an und sagt zu ihm
denken sie dran, um 10 der Termin.
Er: Ich hätts fast vergessen,
des Mandants Interessen.
Ach lieber Tim.
Das ist doch nicht schlimm.
Viel vergeht im Flug,
aber Zeit ist genug.

Rufen sie bitte Frau Meier an.
Sie hat Post von ihrem Mann.
Es gibt keinen Unterhalt,
trotz eindeutigem Sachverhalt.

Und schon schnurrt das Fax,
in stets gleicher Syntax.
Schnell überflogen,
diesen Briefbogen.
Den kennt man doch.
Stets ein Joch.
Der Reichsbürger Bloch,
der drauf pocht,
die Brd zu verklagen,
so würd erst gern haben.
Doch der einzige Ort,
für dieses Wort,
ist der Papierkorb

Das Diktat steht an,
was will der Mann?
Was will er ihr sagen?
Warum muss sie ertragen,
ein Gestammel und nuscheln,
ein Flüstern und tuscheln,
die Qual für Ohrmuscheln?
Doch so gut es geht,
verfasst sie das Gebet.
Bringt das Gedicht,
in Erfüllung der Pflicht,
jetzt und hier,
auf das Papier.

Dieses Produkt
wird schnell ausgedruckt.
Vor der Judikatur,
noch zur Signatur.
Auf die Klappe
in die Unterschriftsmappe.

Emails gecheckt,
Spam entdeckt,
schnell beseitigt,
den Müll gezeitigt.
Und da, Frau Meier nochmal,
es klingt radikal,
“hier wird es bestial,
wann ruft er denn an,
ich hab Stress mit dem Mann,
meine Ehe liegt in Trümmern.
Herr Walter soll sich kümmern.”

Den Hörer genommen
und dann ganz besonnen:
Sachte gute Frau,
er steht noch im Stau.
Er ruft sie an,
sobald er kann.
Er lässt sie nicht,
allein im Stich,
er meldet sich.

Die Lüge sitzt.
Es lief geritzt.
Das war geschickt.
Das Telefon klickt.

Gebucht das Webinar,
und dann ab zum BEA.
Besonderes Elektronisches Anwaltspostfach,
Dämonologisches, proktologisches Ach!
Geh weg damit und lass mich in ruh,
hab ich denn nicht wirklich genug zu tun?
Läuft wieder nicht,
keine Post vom Gericht,
da ist wieder Schicht,
das BEA besticht
mit launisch Gesicht.

In der Tür ein Bein,
eine Mandantin kommt rein.
Ist es schon vier?
Und der Anwalt gleich hier?
Daten Aufnahme,
von dieser Dame.
Da kommt Herr Walter,
und sogleich schreit er:
Mandantin schon da?
Im Wartezimmer klar.
Und sie verschwinden beide
auf die Beratungsweide.

Bald ist Schluss,
ein paar Dinge muss,
sie noch machen,
ich sag euch die Sachen:

Pflanzen gießen,
Fenster schließen,
Post wegbringen,
Akten hingen,
Putzlappen schwingen,
AB anmachen,
das sind die Tatsachen.

Nur eine Reno
Aber oho,
ohne gehts nicht.
das wär töricht.

Und es ist wahr,
sie ist der heimliche Star.

Von Sonnenauf- bis untergang.
Aber rufen sie bitte noch Frau Meier an..

RA Tim Hendrik Walter
Herr Anwalt


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